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Tagesbericht Aussetzungshaik von Mittwoch, den 24.August 2011

Wie soll man so einen „Reisebericht“ beginnen? In der Schule hat man mir beigebracht nach einem Einleitungssatz die darin verwendeten, möglicherweise unbekannten Fachbegriffe für Laien, die den Text lesen, ausreichend zu erklären.

Also für alle Haiklaien: Ein Haik ist eine Reise, auf der man alles Notwendige für mehrere Tage mit sich rumschleppt. Meist tut man dies zu Fuß und mit einem großen Wanderrucksack. Ein Aussetzungshaik ist dahingehend besonders, dass die Wanderer (Fachjargon: Haiker) mit verbundenen Augen an einem unbekannten Punkt raus gelassen werden und dann, nur mit Karte und Kompass bewaffnet, zurück zum Lagerplatz laufen müssen. Auf dem Weg müssen sie sich selbst mit Wasserkanistern, Klappspaten, Zelten und Müsliriegeln ausgerüstet „über Wasser halten“ (bzw vom Wasser fernhalten ;-) ).

In unserem Fall hieß das konkret, dass sich 12 tapfere und teilweise sehr erfahrene Haiker nach einer kurzen, verwirrenden Fahrt auf einem Waldweg wiederfanden. Nach einer kurzen Standortbestimmung durch den nächsten Ortsansässigen und einer kurzen Orientierung anhand des Sonnenstandes wurde sofort das Erreichen des Schlafplatzes, an dem auch eine Kiste mit Essen als besonderer Anreiz stand, in Angriff genommen. Durch die wunderbare Landschaft Niedersachsens ging es in gemütlichem Tempo und bei schönem, aber heißem Wetter reibungslos bis kurz vors Ziel. Nur ein erkletterter Baum und eine Blindschleiche, die selbst die Stärksten erschreckte, passierte nichts Erwähnenswertes. . . . bis . . .- das Ziel war bereits über die Wiese zu sehen- ein uns nicht vorgestellter Stacheldrahtzaun dreist den Weg versperrte. Zur Linken ein Fluss, zur Rechten eine Kuhweide. Ein Leiter, der über den fiesen Zaun geschmissen wurde, erkundete, wie sinnvoll eine mehr oder weniger gefährliche Überquerung des Zaunes wäre. Als der Leiter bereits die Kiste gefunden hatte, die gute 200m hinter dem Zaun direkt neben der vorgesehenen Schlafwiese stand, hatte der Rest den Zaun bereits durch ein Loch durchquert und war auf dem Weg. Direkt hinter ihnen konnte besagter Leiter, der ganz umsonst vorgerannt war, den von Blitzen erhellten Abendhimmel beobachten.

Sofort war klar: Wir müssen uns mit dem Zeltaufbau beeilen, um unsere Sachen und uns vor dem Gewitter zu schützen. Da die nahende Blitzefront doch zu beeindruckend war, rannte ein gewisser Leiter durch knöchelhohen Matsch zu dem Bauernhaus, zu dem die Wiese gehörte. Das nette und gastfreundliche Ehepaar bot uns an in ihrem ehemaligen Heuspeicher und jetzt Partyraum unterzukriechen, zu essen und zu übernachten.  Das Angebot dankbar annehmend wurden alle Grill- und Schlafsachen zum Speicher gebracht. Die vorherige Freundlichkeit noch übertreffend stellte uns der Bauer seinen Grill zur Verfügung. Nach einem sehr leckeren und reichhaltigen Abendessen wurde noch ein wenig mit der Hofhündin „Line“, die in dem Speicher wohnt und morgens die Kühe holt, gespielt, getobt und gelacht. Einen so ruhigen, lieben und zutraulichen Hund trifft man nur sehr selten. In der kurzen Zeit wurde er bis auf eine Ausnahme (Kindheitstrauma? :P ) von allen ins Herz geschlossen. Auch während der verdienten Nachtruhe hielt „Line“ an der Tür Wache.

Um halb neun wurden wir von den Klassikern von Helge Schneider „Fitze Fatze“ und „Vogelhochzeit“ geweckt. Alle waren sofort hellwach und starteten lachend in den Tag. Mit demselben Elan wurde ausgiebig gefrühstückt und zusammengepackt. Der nette Sohn des Bauern half viel mit und plauderte auch ein wenig über den seit 1569 in Familienbesitz befindlichen Hof. Nach einem Abschieds-Gruppenfoto begaben wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zurück zum Zeltplatz. Die Marschgeschwindigkeit wurde zum Vortag erhöht, da wir etwas unter Zeitdruck standen.

Mit tragbaren Boxen und zu Liedern wie „Highway to Hell“ oder anderen „marschierbaren“ Liedern waren auch alle beflügelt und mit guter Stimmung sicher, den Lagerplatz in der vorgegebenen Zeit zu erreichen. Die Wege gingen zwar meist endlos geradeaus, aber die Natur drumherum war sehr sehenswert.

Die Zielankunft war dann nochmal ganz großes Kino. Kurz vor dem Lagerplatz wurde „Final Countdown“ von „We are the Champions“ abgelöst und mit diesem Titel stürmten wir hoch erhobenen Hauptes und mit stolz geschwellter Brust auf den Zeltplatz. Mit dem unten abgedruckten Lied feierten wir einen sehr gelungenen Haik mit viel Abenteuer, Spaß und Spannung, von dem noch viel erzählt werden wird.

(gebückt und mit Paddelbewegungen mit trauriger, leiser Stimme):

„So fährt der Kanuhaik, der Kanuhaik fährt so!

So fährt der Kanuhaik, der Kanuhaik fährt so!“

(trotz Blasen freudig im Kreis springend, laut klatschend und singend):

„So geh’n die Aussetzer, die Aussetzer geh’n so!

So geh’n die Aussetzer, die Aussetzer geh’n so!“

Tagesbericht Kanuhaik von Mittwoch, den 24.August 2011

Heute ging es auf einen besonderen Ausflug. Die Haiks standen an: die Gruppe teilte sich auf, die einen auf den Aussetzungshaik, wir auf den Kanuhaik.

Nach einem scheinbar erfolgreichem zu Wasser lassen der vollbesetzten Boote fuhren wir unter strahlend blauem Himmel  flussabwärts die Oker Richtung Meinersen entlang. Unser Ziel war es, am heutigen ersten Tag circa zwölf Kilometer zu fahren, um dort einen Zeltplatz für die Nacht aufzusuchen, von dem aus  wir am nächsten Tag nochmals zwölf Kilometer weiter rudern wollten.

Doch direkt zu Beginn traf uns die ernüchternde Nachricht, dass wir falsch gestartet waren. Trotzdem  fuhren wir gut gelaunt 400 m flussaufwärts zurück zu unserer ersten Ablegestelle.

Neu eingesetzt sorgte unserer Mithaiker Marius für die erste Showeinlage des Ausflugs, als er nach dem Schritt ins Boot direkt einen weiteren ins Wasser machte und die Weiterfahrt für ihn nass weiterging.

Sechs Kilometer schlängelten wir uns über die Oker bis zu unserer ersten Pause unter einer Brücke. Kurze Zeit später, als hätten wir es geahnt, wurde es dunkel und wir konnten von der Brücke geschützt viele Wetterleuchten und einen Platzregen mit dicken Hagelkörnern beobachten. Während dessen stärkten wir uns mit Müsliriegeln, spielten mit dem Wasserball und ruhten uns ein wenig in den Booten aus.

Schnell rissen die Wolken wieder auf und wir konnten bei strahlendem Sonnenschein weiterfahren. Unter Brücken her, an umgefallen Bäumen vorbei, die einen mehr und andere weniger durch Büsche.

Zwischen Kuhweiden und Bauernhöfen, vorbei an badenden Kühen und Schwänen, genossen wir den Wechsel zwischen Sonne und den schattenspendenden Bäumen.

Doch nicht nur die wunderschöne Natur brachte uns allen Grund zur Freude, sondern auch eine weitere Showeinlage hielt die super Stimmung trotz der weit vorangeschrittenen Zeit hoch oben. Einen Kilometer vor unserem Zwischenziel am Zeltplatz kenterte eins unserer Boote und wir mussten mit viel Mühe das Boot mitten im Wasser wieder drehen und pitschnass wieder einsteigen.

In den Sonnenuntergang paddelnd suchten wir dann unseren Zeltplatz, den wir leider nicht auf Anhieb finden konnten und den Zeltplatz daher leider erst in der späten Dämmerung erreichten. Doch dort angekommen, konnten wir uns auf unsere Versorgungsfahrer freuen, die uns Zelte, Grillfleisch und unser Frühstück brachten. Doch leider wurde diese Freude durch ein schnell herbeiziehendes Gewitter getrübt, vor dem wir in der Schutzhütte des Zeltplatzes Schutz suchten.

Während alle Haiker sich unter einer Dusche aufwärmten, sorgten die Leiter für eine warme Mahlzeit und berieten sich, wie der Haik mit dem leider nicht endenden Gewitter weitergehen sollte.

Nachdem alle frisch geduscht und aufgewärmt wieder an der Schutzhütte angekommen waren, grillten wir alle gemeinsam und aßen vom Gewitter geschützt in der Schutzhütte an Tischen Würstchen, Fleisch, Brot und Krautsalat.

Leider mussten die Versorgungsfahrer dann den Großteil des Haiks mit zum Lagerplatz zurücknehmen, da der Regen nicht enden wollte und es nicht möglich war die Zelte aufzubauen, um dort trocken und sicher die Nacht drin zu verbringen.

Ohne die alleingebliebenen Jüngeren am Lagerplatz zu stören, gingen alle erschöpft vom vielen Kanufahren in ihre Zelte, um am nächsten Morgen fit weiterfahren zu können.

Nach einer sicheren und erholsamen Nacht und einem stärkenden Frühstück hieß es schnell wieder Abfahrt. An der Schutzhütte, die bisher nur im Dunkeln gesehen wurde angekommen, besetzten wir erneut die Boote, um im Anschluss freudig weiterzupaddeln. Und wie sollte es anders sein in diesem Sommerlager strahlte uns auch an diesem Tag wieder die Sonne an. Nur kamen wir leider nicht so schnell voran wie am Vortag, da neben dem starken Gegenwind, die Strömung des Flusses extrem nachgelassen hatte.

Nach einer anstrengenden strömungsfreien letzten Etappe von circa neun Kilometern, kamen wir endlich an unserem Zielpunkt an. Als Belohnung für die harten zwei Tage gingen wir zum Abschluss alle baden, um dann erfrischt im Auto den Rückweg zum Lagerplatz anzutreten.

Kinderstimme Aussetzungshaik von Mittwoch, den 24.August 2011

An einem sonnigen Mittwoch um 16.30 Uhr machten sich 9 Teilnehmer und 3 Leiter mit Augenbinden und ohne Orientierung auf den Weg ins Ungewisse. Die einzigen Hilfsmittel waren eine Landkarte und natürlich die Informationen, die wir durch Anwohner erfuhren.

Die erste Etappe schafften wir ohne Umwege und Probleme. Am Ende jedoch versperrte ein plötzlich auftauchender Zaun uns die letzten Schritte zum langersehnten Übernachtungsplatz. Zum Glück fand man schnell eine Möglichkeit, unter dem Zaun durch zu krabbeln.

Da war es auch schon höchste Zeit, die Zelte aufzubauen, da es schon zu regnen anfing und Blitze in nicht allzu weiter Entfernung den Himmel erhellten. Die Möglichkeit im Freien zu grillen wurde nun leider durch Blitz, Donner und Pladderregen weggespült. Unser Leiter machte sich schnell auf zum Bauern, dem die Wiese gehörte, auf der wir übernachten durften. Dieser stellte uns eine kleine Hütte und einen Grill zur Verfügung, sodass wir doch noch im Trockenen übernachten konnten. Der Hofhund „Line“ hieß alle freundlich willkommen und blieb die ganze Nacht über in unserer Hütte. Schließlich fielen wir auch geschafft in unsere Schlafsäcke, wenn auch nicht gerade zur geplanten Zeit. :)

Nachdem wir gemütlich gefrühstückt hatten, brachen wir am nächsten Morgen bei schönem Wetter in Richtung Eltze auf. Das Bedürfnis endlich anzukommen machte sich in unserer Schrittgeschwindigkeit bemerkbar. Fast eine ganze Stunde weniger haben wir für den Rückweg zu unserem Lagerplatz gebraucht als erwartet.

Mit lautstarker Unterstützung der Hits „We are the Champions“ und „The Final Countdown“, die aus Jonas Boxen dröhnten, marschierten wir die letzten paar hundert Meter stolz und erschöpft, bis wir endlich auf dem Lagerplatz ankamen. Nachdem die Ankunft so gefeiert wurde, dass es jeder mitbekam, machten sich die schmerzenden Füße bemerkbar und schnell verschwanden alle Aussetzungshaiker entweder in ihren Zelten oder den langersehnten Duschen.

Steffies