Tagesbericht 22.08.2013

6:15 Uhr – erster Weckruf

6:30 Uhr – zweiter Weckruf

7:30 Uhr – Abfahrt

Wirklich begeistert waren Wenige, als sie gestern Abend erfahren haben, was sie heute Morgen vor sich hatten. Trotz des anstrengenden Tages gestern kamen alle pünktlich aus dem Bett und so haben wir es auch geschafft pünktlich mit dem Bus abzufahren.

Wie gestern schon geschrieben, stand heute unser Lagerhöhepunkt auf der Tagesordnung: Wir sind in die Gedenkstätte Buchenwald gefahren. Auf den Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers wurden die Teilnehmer bereits gestern Abend altersgerecht vorbereitet. Dadurch betraten alle den Bus zwar nicht unbedingt mit einer genauen Vorstellung, was sie am Ziel erwarten sollte, jedoch besaß nun jeder eine Menge an Wissen, Erfahrungen und Informationen, die ihm helfen sollte, das Gesehene einzuordnen, zu verstehen und zu begreifen.

Drei Stunden Busfahrt lagen vor uns – genug Zeit um noch die ein oder andere Mütze Schlaf nachzuholen –, bis wir die Gedenkstätte Buchenwald erreicht hatten. In drei Gruppen, nach Alter gestaffelt, wurden die Teilnehmer von Leitern durch das ehemalige Konzentrationslager geführt. Besichtigt wurden der ehemalige Bahnhof, das Torhaus, die Zaunanlagen, eine noch erhaltene Baracke und der Appellplatz. Die Älteren besuchten zusätzlich noch das Krematorium.

Es wurde schnell klar, welch schreckliche Dinge dort geschehen waren und wie die Menschen gelitten haben müssen. Jeder sah, was aus Ausländerhass, Antisemitismus und Kategorisierung entstehen konnte.

Dennoch fällt es uns schwer nachzuvollziehen, wie wahnsinnig die Nationalsozialisten ihrer Ideologie gefolgt sind. Es fällt uns schwer nachzuvollziehen, wie es dermaßen weit kommen konnte. Trotzdem möchten wir unser Bewusstsein dafür schärfen und verstehen, was damals passierte.

Daher lässt sich unser Motto „überzeugen“ auch als „über Zeugen“ lesen. Wir möchten Zeugen dieser schrecklichen Vergangenheit sein, um dies für die Zukunft zu verhindern. Wir müssen Zeugen sein, um andere zu überzeugen. Mit dieser zentralen Botschaft hielten wir um die Gedenktafel für alle Insassen des Konzentrationslagers in Gedenken an eben diese abschließend eine Andacht:

(Psalm 78, Vers 6) „damit das kommende Geschlecht davon erfahre, die Kinder späterer Zeiten; sie sollen aufstehen und weitergeben an ihre Kinder.“

Mit dem Bewusstsein um unsere Verantwortung für die nächsten Generationen im Gepäck machten wir uns auf, den restlichen Tag in Erfurt zu verbringen. Dort konnte jeder die Zeit nutzen, um sich mal Zuhause zu melden, ein Eis zu essen oder sonst ein wenig zu shoppen.

Schließlich ging es um 17.30 Uhr mit dem (Schlaf-)Bus zurück zum Lagerplatz. Nur Einen konnten wir nicht aus Erfurt mit zurücknehmen: Unseren Lagerleiter Thomas. Leider musste dieser den Rückweg nach Essen antreten, um morgen eine Klausur in der Uni zu schreiben. Bei der Verabschiedung versprach er aber, morgen nicht ohne kleine und große Überraschungen aus Essen zurückzukommen. Alle anderen kamen sicher wieder am Lagerplatz an.

Der heutige Tag gehörte mit Sicherheit nicht zu den einfachsten und bequemsten Programmen, die man in einem Sommerlager absolvieren kann. Wir sind aber froh, uns der Aufgabe gestellt zu haben und auch in den unbequemen Situationen hingeschaut zu haben. Von diesem Ausflug kamen wir tief berührt zum Lagerplatz zurück. Er wird in Erinnerung bleiben.

Für Morgen erwarten wir: Die Rückkehr unseres Lagerleiters, die versprochenen Überraschungen, einen weiten Weg, eine abenteuerreiche Nacht und viel Freiheit für jeden.

Die Details gibt es wie immer im nächsten Tagesbericht. Bleiben Sie dran, wir tun es auch!

Es grüßen die etwas in Verzug geratenen,jedoch optimistisch, dies wieder aufzuholen, und weiterhin hoch motivierten Lagerreporter.