Tagesbericht vom 25.8.2013

Morgens halb 9 auf dem Lindersberg: Puh, hier ist es ziemlich voll, feucht und stickig. Nur Kinder kann ich noch keine erkennen. Umringt bin ich stattdessen von nassen Handtüchern. Aber hier herrscht ja eh jeden Tag ein Kommen und Gehen. Ich hingegen liege hier schon einige Zeit rum, vermissen tut mich irgendwie niemand. L

Wenigstens habe ich von hier einen perfekten Überblick über den Lagerplatz und kann daher jeden Abend von den vielen spannenden Geschichten erzählen.

Heute beginnen sie schon mitten in der Nacht. Während sich alle friedlich im Schlaf befanden überkam mich bereits ein mulmiges Gefühl: „Oh nein, was ist das!?“ Plötzlich riss der Himmel auf und ein Wolkenbruch sondergleichen ergoss sich über den Platz. Flink liefen Leiter zum Zeltplatz und schauten nach dem Rechten. SOS, ein Zelt kann den Wassermassen nicht mehr standhalten und muss halbseitig geräumt werden. Zum Glück alles halb so schlimm, der Lagerplatz versinkt nochmal in tiefen Träumen und ich musste weiter ausharren, bis das Leben hier so richtig beginnt.

Doch nun füllt sich so nach und nach der Lagerplatz. Immer mehr Kinder können den duftenden Pancakes, Würstchen, Rührei und Speck nicht mehr widerstehen und kommen noch etwas verschlafen aus ihren Zelten. Sogar Müsli, Cornflakes, „Zimt Chips“ (die aus der Werbung, Cini Minis oder so; Anmerkung der Redaktion) und Joghurt stehen zur Verfügung. Das wäre doch eigentlich mein Einsatzgebiet, doch niemand kommt und holt mich. So zieht sich der Vormittag mit süßen Schlemmereien hin, die Kinder, die bereits gesättigt sind, vertreiben sich die Zeit mit Gesellschaftsspielen oder Comics.

Auch die letzten Leiter kommen langsam aus ihren Betten und stärken sich beim Brunch. Meine Hoffnungen, dass nun jemand auf die Idee kommt, mich zurück zu bringen, werden jedoch wieder enttäuscht. Meine Hilferufe scheinen in den Massen an Handtüchern über mir einfach zu verstummen.

Doch nun endlich meine Chance. Darauf hab ich gewartet. Jetzt kann mich keiner mehr aufhalten.

Die Fundkiste wird versteigert:

„Gleich bin ich an der Reihe. Ich werde tatsächlich vermisst, damit hätte ich eigentlich nicht mehr gerechnet.“

Mein Besitzer schließt mich glücklich in die Arme. Schön gebraucht zu werden. [… aber dann] „Hey! Hallo! Vergiss mich nicht schon wieder. Hey, was soll ich hier alleine auf dem Tisch. Lass mich nicht alleine.“ Wie gewonnen, so zerronnen. Einsam bleibe ich zurück und zu allem Überfluss wirft mich ein übermotivierter Leiter zurück in die Fundkiste. Nun ja, morgen ist auch noch ein Tag. Morgen werde ich meinen Besitzer nicht mehr loslassen.

Oh, bevor ich es vergesse. Ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt: Ich bin eine kleine gelbe Schüssel und seit einigen Tagen liege ich in der Fundkiste. So auch jetzt wieder. Verwirrt, enttäuscht und traurig werde ich nun die Berichterstattung einstellen und gebe zurück an die Lagerreporter, denn der Tag bietet bestimmt noch einige Überraschungen.

Der Regen hält weiter an. Doch das kann uns nicht davor stoppen, ins Programm zu starten. Mit einem Stationslauf durch interaktive Museen wird den Teilnehmern noch einmal die Möglichkeit eingeräumt, das in Buchenwald Erlebte zu reflektieren, zu vertiefen und eine Brücke zur heutigen Zeit zu schlagen.

Nach dem Abendessen (Putencurry mit Reis) wurde das Programm wegen der Raumsituation erneut in Jüngere und Ältere aufgeteilt. Damit die Teilnehmer nicht weiter die Zeit im kalten Nass verbringen mussten, wurde ausschließlich Programm im Haus angeboten. Für die Älteren eröffnete der Meheifa Kino Saal mit dem Film „Das Leben ist schön“, der wegen technischer Probleme in der ersten Woche nicht gezeigt werden konnte. Die Jüngeren konnten zwischen dem Meheifa Beauty-Salon, der Meheifa Spielhalle oder der Meheifa Vorleseecke wählen. Alle Orte waren gleich gut besucht und so manch einer nutze die Gelegenheit, um in die verschiedenen Bereiche reinzuschauen. So war es trotz widriger Wetterbedingungen ein runder Tag hier oben auf dem Lindersberg.

Daher kehrte nach der Abendrunde trotz Ausschlaftag schnell Ruhe auf dem Lagerplatz ein. Übrigens der Regen hat nun aufgehört. Beste Voraussetzungen, dass wir morgen wieder durchstarten können!

Neben den Lagerreporter grüßt herzlich heute auch die kleine, traurige, gelbe Schüssel.

P.S.: Nur zur Beruhigung: Morgen starten wir einen weiteren Versuch, die kleine gelbe Schlüssel dauerhaft an den rechtmäßigen Besitzer zurück bringen.